Anders als ihr deutscher Name vielleicht vermuten lässt, hat die bis zu zehn Zentimeter lange Miesmuschel Mytilus edulis keinen „miesen“ Geschmack oder etwa andere negative Eigenschaften – ganz im Gegenteil sind Miesmuscheln zumindest in Europa vor den Austern die wichtigsten essbaren Muscheln überhaupt. Mehr als eine halbe Million Tonnen dieser Muscheln gelangen jährlich in den europäischen Handel, der Hauptanteil davon aus Aquakulturen.
Die Bezeichnung „Mies“ stammt aus dem Mittelhochdeutschen für „Moos“ und bezieht sich auf das moosartige Aussehen der braunen, sogenannten Byssusfäden. Diese werden von den Muscheln von einer speziellen Drüse am Fuß produziert und dienen vor allem der Befestigung am Untergrund, was ihnen als einzige einheimische Muschelart im Wattenmeer eine „oberirdische“ Lebensweise ermöglicht. Ihr Lebensraum sind also nicht wie bei anderen Muscheln die Sand- oder Schlickböden, sondern sie sind in der Lage, jegliche feste Untergründe, wie Schillböden, Felsen, Wracks oder auch vom Menschen eingebrachte Pfähle zu besiedeln und dort große Muschelbänke zu bilden. Bereits seit dem 13. Jahrhundert wurden sie auf diese Weise in Frankreich „kultiviert“: man brachte Pfähle in gut erreichbaren Küstenregionen aus, Miesmuscheln siedelten sich dort an und konnten dann später bequem geerntet werden. Daraus erklärt sich auch ihr zweiter deutscher Name „Pfahlmuscheln“.
Wie alle Muscheln sind auch Miesmuscheln aktive Filtrierer, die mit Hilfe unzähliger feiner Wimperhärchen in der Mantelhöhle Wasser zusammen mit ihrer Nahrung bestehend aus winzigem pflanzlichen und tierischen Plankton durch ihre Einströmöffnung einstrudeln. Bereits Muscheln mit einer Größe von nur drei Zentimetern filtrieren so pro Stunde bis zu einen Liter Wasser. Vom Frühjahr bis zum Sommer geben die Weibchen fünf bis zehn Millionen Eier ins Wasser ab, wo sie befruchtet werden. Nur 0,1 Prozent der befruchteten Eier überleben die vierwöchige Larvenphase zur drei Millimeter kleinen Jungmuschel.