Betrachtet man die eher unscheinbar gefärbten Pur­pur­schnecken Hexaplex trun­culus aus der Familie der Stachel- oder Leis­ten­schnecken (Muricidae), wird man sofort zu dem Schluss kommen, dass sie ihren deut­schen Namen nicht auf­grund ihres Äußeren erhalten haben. Tat­sächlich bezieht er sich auf den Farb­stoff Purpur, der aus dem schlei­migen Sekret der Hypo­bran­chi­al­drüse im Man­telraum gewonnen wird. Dieses Sekret dient bei der vor­wiegend räu­be­risch lebenden Pur­pur­schnecke der Lähmung ihrer Beute, die aus Muscheln, See­pocken und anderen Schnecken besteht. Mit Hilfe eines spe­zi­ellen Bohr­organs an der Fuß­sohle der Schnecke wird die Kalk­schale ihrer Opfer auf­gelöst und an der gleichen Stelle mit ihrer Radula auf­ge­bohrt, so dass das Sekret in ihr Opfer abge­geben werden kann. Dort bewirkt es neben der Lähmung auch die Ent­spannung der Schließ­muskel und damit die Öffnung der Schalen bei Muscheln oder des Operculums anderer Schnecken.

 

Für die Gewinnung des Farb­stoffes wurden Pur­pur­schnecken sowie einige ver­wandte Arten mit Reusen oder Ködern lebend gefangen und anschließend die Hypo­bran­chi­al­drüse ent­fernt. Das darin ent­haltene Sekret hat eine milchig-weiße bis blass-gelb­liche Farbe, die sich durch die Ein­wirkung von Licht und Luft über grün zu hellblau und schließlich zu Purpur umfärbt. Um Stoffe färben zu können, mussten die zer­quetschten Drüsen in Salz­wasser ein­gelegt und dann mit Urin ein­ge­kocht werden. Mit dem farb­losen Sud wurde dann der Stoff getränkt, der sich beim Trocknen in der Sonne Purpur färbte. Für ein Kilo­gramm Wolle wurde dabei ein Gramm des Farb­stoffes benötigt, der aus ca. 10000 Schnecken gewonnen wurde.

 

Die Gewinnung dieses Farb­stoffes lässt sich bereits um ca. 1600 v. Chr. im bron­ze­zeit­lichen minoi­schen Kreta nach­weisen und reicht wahr­scheinlich sogar noch weiter zurück. Auf­grund des auf­wän­digen Her­stel­lungs­pro­zesses des Farb­stoffes und der damit ver­bun­denen Sel­tenheit war das Tragen von mit Purpur gefärbter Kleidung bis ins Mit­tel­alter Symbol von Macht und Reichtum und somit nur hoch­ge­stellten Per­sön­lich­keiten, hohen kirch­lichen Wür­den­trägern und Herr­schern vor­be­halten.

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